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»Suche Frieden und jage ihm nach!« Psalm 34,15

Gedanken zur Jahreslosung 2019

»Suche Frieden und jage ihm nach!« Psalm 34,15

Weltweit gehört der Frieden zu den Wünschen, die Menschen am Meisten äußern. Wieviel unermessliches Leid haben Kriege schon über diese Welt gebracht. Millionen Tote und Verwundete, Heimatlose, Vertriebene und Flüchtlinge füllen die Geschichtsbücher dieser Erde. Wenn wir aktuell hören, dass 80 % der Bevölkerung im Jemen vom Tod als direkte oder indirekte Folge des dort tobenden Krieges bedroht sind, ist es nur das deutlichste Beispiel für die Situation in unserer Zeit, für das Jahr 2019.

Neben dem fehlenden Weltfrieden leiden zahlreiche Menschen aber auch an Streit und Unfrieden in Familien, im sozialen Umfeld der Städte und Gemeinden und am Arbeitsplatz. Wo Menschen zusammengestellt sind, wünschen sie sich ein friedliches Miteinander, aber viel zu oft ist dieser Friede bedroht.

Die Jahreslosung fordert uns heraus: Friede ist nicht einfach da, Friede ist nicht selbstverständlich und kann nie vorausgesetzt werden. Es scheitert immer an uns selbst, an uns Menschen. Wir sind neidisch auf andere, sind missgünstig und selbstsüchtig, wobei unser Egoismus natürlich behauptet, dass die Anderen Schuld sind.

Im Psalmwort wird uns gesagt, dass Friede unsere Aktivität braucht. Auch im Neuen Testament wird dieses Wort aufgegriffen (2. Timotheus 2,22 und 1. Petrus 3,11). Nachjagen erfordern meinen Einsatz, und zwar mit voller Kraft und Intensität. Nachjagen geht nicht mal so nebenbei, hier sind wir ganz gefordert. Frieden kostet einen Preis. Ohne den Verzicht auf das Durchsetzen der eigenen Interessen, ohne das Ablegen des Egoismus und des Neides, ohne die Öffnung hin zum Nächsten, zu allen anderen Menschen, ohne das Streben, die Interessen des Anderen mindestens genauso zu berücksichtigen wie meine eigenen wird es keinen Frieden geben. Frieden braucht Einsatzbereitschaft und den Mut, die ersten Schritte zu gehen. Wer Frieden will, darf nicht darauf warten, dass der Andere sich bewegt, sondern muss sich mutig der Gefahr stellen, abgelehnt zu werden.

Genau diesen Weg hat Jesus Christus beschritten. Er hat Frieden gemacht durch das Blut seines Kreuzes (Kolosser 1,20). Wir sind aus Glauben gerechtfertigt und haben Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus (Römer 5,1). Der Weg zum Frieden war nur durch völlige Selbstaufgabe möglich. Jesus hat alles getan, wir haben nichts getan. Er liebte uns schon, als wir noch seine Feinde waren. Er hielt es aus, als wir gerufen haben: „Hinweg, hinweg, kreuzige ihn“. Er hat sein Leben gegeben, sein Blut vergossen, das uns nun von aller Sünde reinigt und es uns ermöglich, Frieden mit Gott zu haben.

Wer nun das Angebot, im Frieden mit Gott durch Jesus zu leben, angenommen hat, ist herausgefordert, in diesem Frieden auch mit seinen Mitmenschen zu leben. Dies gilt für mein persönliches Umfeld mit allen sozialen Kontakten, aber auch für mein Verhalten in Gesellschaft und Staat. Das Beispiel Jesu zeigt uns, dass es hier keine Ausnahmen gibt. Jeder Einzelne ist dafür verantwortlich, soweit es an ihm liegt, mit allen Menschen im Frieden zu leben. Wir dürfen uns neu vornehmen, bewusst und aktiv den Frieden zu suchen, ja ihm nachzujagen. Das können wir in Dankbarkeit gegen unseren Gott, der uns den Frieden ins Herz gibt und uns durch seine Liebe zu Friedensstiftern macht.

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,

nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird verziehen;

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

(zugeschrieben Franz von Assisi)